Ein Tag ohne Gottes Wort ist ein Tag nicht gelebt!
Von Noor van Haaften, Referentin und Autorin
Es ist viele Jahre her, dass ich als 18-jährige Studentin an einer internationalen christlichen Studentenfreizeit in Österreich teilnahm. Eine Frei-Zeit war es übrigens nicht direkt, denn viel frei bekamen wir nicht. Es war eher eine Kurzbibelschule mit vielen Vorträgen, Seminaren und Kleingruppen. Obwohl ich zu dieser Zeit eher skeptisch war, was den Glauben betrifft, und die Idee, drei Wochen meines Sommerurlaubs für eine Bibelfreizeit zu verwenden, nicht sehr verlockend fand, hatte ich mich dazu überreden lassen, teilzunehmen. Dass ich mich eher auf die Berge als auf die Freizeit freute, behielt ich für mich.
Es ist dem Hauptredner dieser Freizeit zu verdanken, dass mein Herz für die Bibel aufging. Er sprach so voller Begeisterung über den Apostel Paulus und den Römerbrief, dass ich völlig überrumpelt war. Als wir in Kleingruppen verschiedene Jesus-Geschichten besprachen, nahm meine Verwunderung über Gottes Wort nur zu. Bald verwarf ich meinen ursprünglichen Gedanken, die Freizeit frühzeitig zu verlassen. Ich war inzwischen voll dabei und so bekam ich drei Wochen lang Bibelunterricht!
In diesem denkwürdigen Sommer ist mir deutlich geworden, wie gut es ist und tut, die Bibel und den Gott der Bibel kennenzulernen. Im Salzburger Land bin ich Christ geworden! Zurück in den Niederlanden nahm ich an Bibelkreisen in Utrecht teil, wo ich studierte. Immer wieder war ich auch bei Bibelfreizeiten dabei. Dort habe ich gelernt, die Bibel sowohl zu lesen als auch zu studieren, was sich als lebensverändernd erwiesen hat.
Wer im Glauben wachsen will…
Es gibt ein altes englisches Lied, worin es heißt, dass wer im Glauben wachsen will, jeden Tag in der Bibel lesen und beten soll. Wachstum braucht Nahrung und diese finden wir in der Bibel. Der Dichter des 1. Psalms vergleicht den Menschen, der Gottes Wort liebt und ständig darüber nachsinnt, mit einem Baum, der an Wasserbächen gepflanzt ist und fruchtbar ist. Dieses Nachsinnen über Gottes Wort ist ein Verinnerlichen dessen, was man gelesen hat. Es wäre viel verloren, wenn wir gleich nach dem Lesen eines Bibelwortes zur Tagesordnung übergehen würden, ohne auch nur einen Moment zurückzudenken an das, was wir gelesen haben.
Wenn wir Bibeltexte oder -verse in aller Ruhe lesen und sie immer wiederkäuen (oder auch auswendig lernen), werden sie sich in uns verankern und wirksam oder fruchtbar werden. Unser Herz wird nicht bei jedem Missgeschick wanken, sondern fester und beständiger werden und unser Denken wird erneuert werden. Der Dichter von Psalm 119 schreibt darüber: „Wie habe ich dein Gesetz so lieb! Täglich sinne ich ihm nach. Du machst mich mit deinem Gebot weiser (…) Ich habe mehr Einsicht als alle meine Lehrer; denn über deine Zeugnisse sinne ich nach.“ (Psalm 119,97 ff.; LUT)
Die richtigen Prioritäten
Unser Bibellesen geht oft wegen Zeitdrucks unter. Wir meinen allerdings, keine Zeit zu haben! Meistens aber ist es so, dass alles andere vorgeht und wir uns letztendlich nicht mehr zum Bibellesen aufraffen können. Ehrlich gesagt, hätten wir sicherlich Zeit fürs Bibellesen, wenn uns das wirklich wichtig wäre. Es wäre viel Zeit gewonnen, wenn z. B. unser Handy weniger Raum in unserem Leben bekommt. Wenn wir nicht vor dem Schlafengehen noch Spiele spielen und morgens beim Wachwerden als Allererstes nachschauen, ob jemand uns eine WhatsApp oder Mail gesandt hat. Wir verbummeln viel Zeit, indem wir uns immer wieder von allerhand Dingen ablenken und wegführen lassen, anstatt bewusst Prioritäten zu setzen, damit das Wichtigste nicht untergeht.
Das Letztere geschah Martha, die von ihrer Natur her vermutlich eher extravertiert war, wodurch es ihr schwerfiel, zur Ruhe zu kommen und Stille zu sein. Als Jesus auf dem Weg nach Jerusalem in Bethanien Halt machte, um sie und ihre Schwester Maria zu besuchen, war es Martha, die gleich die Ärmel hochkrempelte, um ihn und seine Gefährten zu versorgen. Maria dagegen ließ alles sein, um den unerwarteten Besuch Jesu voll auszunützen. Sie setzte sich direkt zu Jesu Füßen, damit sie kein Wort von ihm verpassen würde. Während Martha verschwitzt und frustriert auf der Suche nach Häppchen war, die sie ihren unerwartet aufgetauchten Gästen anbieten konnte, wurden Maria und die Gäste mit Jesu Worten genährt und erquickt. Das „Martha, Martha“, womit Jesus sich an Martha wandte, nachdem sie in die Luft gegangen war, war kein Vorwurf. Es traf Jesus, dass Martha durch ihr So-Beschäftigt-Sein leer ausging, während er gekommen war, um ihr zu begegnen und sie mit seinen Worten zu segnen. Anstatt die richtigen Prioritäten zu setzen und sich zu Jesus zu setzen, hatte sie sich ins Dienen verloren. Diese Geschichte ist nachzulesen in Lukas 10,38-42.
Bibellesen
Wer Gottes Wort (und damit auch Gott selbst) besser kennenlernen möchte, muss bewusst in die Bibel eintauchen. Wir würden vieles verpassen, wenn wir bei Lieblingsversen hängen blieben, anstatt mehr zu lesen, tiefer zu graben und mehr zu entdecken. Es wäre auch schade, wenn wir beim Neuen Testament blieben, denn auch das Alte Testament soll zu Wort kommen, weil wir darin Gottes Wesen und Wirken entdecken und weil es uns ‚mitnimmt‘ zu der großen Klimax des Kommen Jesu in diese Welt.
Fürs Bibellesen gibt es keine Faustregel, obwohl vieles dafürspricht, morgens einen Bibelvers oder Text zu lesen, zu beten und mit diesem Text in den Tag hineinzugehen. David z. B. hat morgens früh den Herrn gesucht und ihm seinen Tag anvertraut. Er sagt in Psalm 5,4 (LUT): „HERR, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir wenden und aufmerken.“ Dieses Aufmerken deutet auf ein andächtiges Ausschauhalten nach Gottes Stimme oder Wirken in unserem Leben hin. Dieses Ausschauhalten ist spannend: Wir hoffen auf Gott und erwarten ihn! Ganz besonders ist, dass es so kommen kann, dass in bestimmten Umständen auf einmal ein Bibelwort hochkommt, das in unserem Herz ‚gespeichert‘ war und das gerade jetzt zutrifft und uns ermuntert, tröstet oder den Weg weist. Es ist ein kostbarer Moment, in dem Gottes Licht auf unserem Weg aufleuchtet und der Herr zu uns spricht.
Beim Bibellesen kann man einen einzelnen Bibelvers oder einen längeren Bibeltext wie z. B. einen Psalm wählen. Manche Menschen finden ein Andachtsbuch mit einem Text für jeden Tag hilfreich, andere nehmen sich vor, ein Buch im Alten Testament oder eines der Evangelien oder auch einen Paulusbrief im Neuen Testament in kleinen „Brocken“ durchzulesen und zu überdenken. Tun Sie einfach, was zu Ihnen passt und was für Sie machbar ist. Manche Menschen erfahren es als hilfreich, eine feste Ecke in ihrem Haus fürs Bibellesen und Beten zu bestimmen, während andere ihre Arbeitspause dafür nutzen oder während eines Spaziergangs oder beim Laufen über Airpods Bibeltexte und Lieder hören. Lassen Sie es nicht darauf ankommen, denn dann wird es meistens nichts und Sie verpassen die Schätze, die die Bibel für Sie bereithält. Machen Sie in Ihrem Leben bewusst Raum fürs Bibellesen, damit der Herr zu Wort kommt und Ihre Verbindung mit ihm fester wird. Er segne Sie!
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Über die Autorin: Die Niederländerin Noor van Haaften ist eine gefragte Referentin bei Bibelfreizeiten und die Autorin mehrerer Bücher, darunter eine 7-teilige Bibelstudienserie über Menschen aus dem Alten Testament. Diese Bücher sind auch für Bibelkreise geeignet. Im Juni dieses Jahres erscheint das neueste Buch „Josua, von Gott beauftragt“ beim Francke-Verlag in Marburg.
Dieser Artikel stammt aus dem ERLEBT Magazin zum Thema „Gott erleben durch die Bibel“ (Ausgabe Nr. 52 – Juni 2026)
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