Geboren, um zu (ver)erben!

 

oder „Das Salz muss aus dem Streuer!“

 

von Friedhelm Holthuis, Präses des BFP (Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden in Deutschland) und Senior-Pastor der Credo-Kirche 
Co-Autorin: Mari Schmidt 

Als ich gebeten wurde, etwas zum Thema „Erben Gottes“ zu schreiben, stellte ich mir die Frage, ob ich darüber schreiben soll, was ich als Christ geistlich geerbt habe oder was ich eines Tages vererben will? Als ich darüber nachdachte, merkte ich: Irgendwie gehört es doch untrennbar zusammen. Wir empfangen Gottes Erbe nicht nur für uns selbst, sondern damit wir es weitergeben.

Schon Jesus sagte im Johannesevangelium:
„Ich sage euch die Wahrheit: Wer an mich glaubt, wird die gleichen Taten vollbringen wie ich – ja sogar noch größere; denn ich gehe zum Vater. Worum ihr dann in meinem Namen bitten werdet, das werde ich tun, damit durch den Sohn die Herrlichkeit des Vaters sichtbar wird.“ (Johannes 14,12-13; HFA)

Manchmal kommen sich Christen vor wie eine Minderheit und übersehen, dass diese Minderheit zur erfolgreichsten Gruppe von Menschen gehört, die es jemals gegeben hat: der Kirche von Jesus Christus, die seit mehr als 2.000 Jahren siegreich unterwegs ist. Nach so vielen Jahren ist sie immer noch lebendig. Das Geheimnis sind gar nicht wir – sondern das Geheimnis ist Jesus. Er und seine Position zeigen uns, was wir als Erben empfangen haben und worin unser Auftrag besteht. Das Wissen muss „vererbt“ werden, so wie die Knochen Josefs von Generation zu Generation weitergeben wurden, bis sie ihr Ziel erreicht hatten (vgl. Josua 24,32).

 

Unser Erbe durch Jesus

 

Wenn Jesus verspricht, dass wir größere Dinge tun werden, müssen wir uns fragen, was Jesus getan hat und was das für uns bedeutet. Jesus kam auf die Welt, weil der Schöpfer endlich in Beziehung mit uns leben wollte. Er liebt Menschen – und das ist der Kern unseres Erbes: Menschen zu lieben und mehr sogar noch: „alle Menschen“ zu lieben. Hier liegt unsere Herausforderung: Unser Umfeld! Oft werde ich in Konflikten und Streitigkeiten gefragt, wie denn die Lösung sein kann – die Lösung ist, Menschen zu lieben, denn egal wer die Kirche verlässt – es wird immer jemanden geben, der uns nicht in den Kram passt. Jesus hat in einem Moment zu Petrus gesagt „Weg mit dir, Satan!“ (Matthäus 16,23; HFA) – aber das bedeutete nicht, dass Jesus ihn nicht mehr liebte, sondern Jesus wusste, welchen Weg er gehen würde „aus Liebe zu allen Menschen“. Wenn wir diesen Punkt für uns selbst geklärt haben, dass wir berufen sind, alle Menschen zu lieben und nicht nur die, die wir mögen, können wir uns damit beschäftigen, wie unser Erbe aussieht.

 

Was erben wir? Und leben wir in unserem Erbe?

 

Die Geschichte vom nachsichtigen Vater in Lukas 15,11-32 zeigt uns, was wir tatsächlich geerbt haben. In der Geschichte teilt der Vater das Erbe zu seiner Lebzeit auf. Ein Sohn zieht fort, einer bleibt. Die wütende Reaktion des Erstgeborenen auf die Rückkehr des Jüngeren zeigt, dass er seine Position und sein Erbe nicht verstanden hat.

Er hat vollkommen vergessen, was Vers 12 beschreibt: „Da teilte der Vater seinen Besitz unter die beiden auf.“ (Lukas 15,12; HFA) Der Ältere hatte als Erstgeborener sogar zwei Drittel vom Besitz bekommen … und es nicht „gelebt“. Er hatte die ganze Zeit schon Zugang zu allen Ressourcen des Vaters gehabt – und war sich dessen scheinbar weder bewusst gewesen, noch hatte er sie genutzt.

Wie ist das mit uns – Kennen wir unser Erbe? Leben wir es? Was erwarten wir von dem Erbe, das in den Worten Jesu „noch größere Taten“ steckt?

 

Geistliches Erbe weitergeben

 

Dass ich mit Jesus unterwegs bin und ihm diene, ist göttliche Erwählung und „Erbe“ von verschiedenen Menschen. Meine Mutter betete mich zu Christus, Nigel Sheldrick traute mir was zu, Friedrich Nußbächer verheiratete uns und unterstützte finanziell. Uwe Schäfer glaubte an uns – ohne ihn wären wir nicht, wo wir sind! Werner Gunia, mein Regionalleiter, gab mir Raum für Predigten. Manfred Lanz gab mir seelsorgerlich begleitet freundschaftliches Rückgrat, Christian Knorr, Bob und Anke Stübner und Petra Alvarez-Munoz streckten mich enorm in meiner Leiterschaft. Andrew Evans hat mich begleitet, ohne dass ich ihn getroffen habe. Johannes Justus hat mich im BFP-Vorstand hervorragend vorbereitet und unterstützt, und last but not least, ohne meine Frau wäre ich nicht, wo ich bin. Alle diese Wegbegleiter legten etwas in mich hinein und prägten mich zu ihren Lebzeiten. So wie sie ein Erbe in mich legten, soll auch mein Leben Zeugnis sein. Ich will Menschen etwas zutrauen, sie stärken und ermutigen. Wenn ich in Gottes Reich investiere, habe ich Anteil an etwas, das über meine Lebenszeit hinauswirkt.

 

Was wollen wir vererben?

 

Wenn wir an unsere Kinder und die nächste Generation denken, sollten wir uns die Frage stellen: Was will ich weitergeben? Ist Besitz, Ruhm und Macht wichtig, oder wollen wir von den Momenten erzählen, in denen Gott eingegriffen, uns versorgt oder beschützt hat? Unsere eigenen Geschichten sind es wert, dass wir sie erzählen. Kindergottesdienste bilden junge Menschen aus. Und Kinder sind unsere Zukunft: Bürgermeister, Politiker, Lehrer, Handwerker. Die junge Generation dürstet nach unseren lebendigen Zeugnissen. Ich bin sicher: Wenn wir leben, was wir glauben, werden andere glauben, was wir leben. Durch lebendiges Vorleben werden sie zu Menschen, die Zeugnis auf ihren Arbeitsstätten geben. Lasst uns dafür sorgen, dass wir Kindergärten und Schulen bauen, die unsere Kinder zu sprachfähigen Menschen ausbilden. Nicht nur Christen werden die Werte zu schätzen wissen, die christliche Erziehung mit sich bringt. Meine Erfahrung ist, dass sich Eltern bewerben, die ihre Kinder wert-voll erzogen wissen möchten, egal an was sie selbst glauben!

 

Das Erbe mit Leben füllen

 

Es kommt nicht darauf an, was ich vererben möchte, sondern was Jesus will, was ich vererbe. Wie bei dem Gleichnis mit den Talenten (vgl. Lukas 9,11-25), bin ich Verwalter seines Erbes und sollte noch hinzufügen, was Jesus hinzufügen würde. Jesus „letzter Wille“ (siehe Markus 16,15) ist kein Befehl, sondern eine Bevollmächtigung – denn er wusste, dass wir das können. Das heißt nicht, dass wir uns an die Ecken der Straßen stellen müssen und das Evangelium in die Welt brüllen – es genügt schon Alltägliches: z. B. die Frau mit dem übervollen Einkaufswagen vorlassen – weil sie jede Sekunde braucht, um ihre Großfamilie zu managen. Lasst uns kreativ werden mit „guten Taten“. Lasst uns immer freundlich sein, in dem Wissen, dass Jesus diese Person liebt – auch wenn es der ungeliebte Nachbar ist – denn auch für ihn ist Jesus ans Kreuz gegangen. Lasst uns anders sein – ohne spooky zu sein – einfach mal anfangen und abwarten, was passiert. Wir können das Salz, das wir sind (vgl. Matthäus 5,13), nur wirksam werden lassen, wenn es Kontakt mit dem Lebensmittel hat – denn Salz ist ein Geschmacksverstärker. Das Salz muss aus dem Streuer raus! Wenn wir also „gute Verwalter“ sein wollen, dann lasst es die anderen spüren, egal wer sie sind – wir wissen oft so wenig von ihnen! Vielleicht ist es genau dein Lächeln, das ihnen den Tag verschönt. Vielleicht ist genau das der Anlass, dass sie fragen, was bei uns anders ist – und dann können wir über den Grund sprechen: die Liebe, die veranlasst hat, dass wir frei sind durch das Erbe von Jesus!

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Porträt Friedhelm Holthuis, Präses des Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden in Deutschland (BFP)

Quelle: BFP

  
Über den Autor: Pastor Friedhelm Holthuis (Jahrgang 1971), verheiratet mit Elke, drei Kinder. Er ist Seniorpastor der Credo Kirche, einer Gemeinde mit sieben Standorten. Ein Herzensanliegen von ihm sind relevante, sich multiplizierende Gemeinden. Seit September 2022 ist Friedhelm Präses des BFP. Er ist außerdem Chairman der Assemblies of God in Europa und Vice-Chairman der Pentecostal European Fellowship. 

 

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Dieser Artikel stammt aus dem ERLEBT Magazin zum Thema „Erben Gottes“ (Ausgabe Nr. 53 – September 2026)
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ERLEBT Magazin Ausgabe 46

ERLEBT Magazin Ausgabe September 2026 zum Thema "Erben Gottes"

 

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