Die Kinder von Zagreb

Hilfe für Roma-Gemeinschaft in Kroatien

Seit 2020 unterstützt CBN Deutschland eine Roma-Gemeinschaft in Kroatien. Sich selbst überlassen leben die Familien in bitterster Armut und ohne Perspektive. CBN hat die Familien besucht und sich ein Bild der Lage vor Ort gemacht.  

 

 

Roma in Zagreb 

In Osten von Zagreb, im Stadtteil namens Savica Šanci, leben 17 Roma-Familien auf einem Grundstück, das sich mitten in einem Industriegebiet befindet. Dieses Grundstück gehört der kroatischen Regierung. Daher können diese Familien auch nur durch die Regierung woandershin verlegt werden. Doch die will nichts mit den dort lebenden Roma zu tun haben. Anfang März besuchten Andreas Heerwagen (Geschäftsführer CBN Deutschland) und Diana Lagat (Managerin Humanitär) diese Familien zusammen mit dem CBN Balkan Team. Vanja Bule, die Leiterin von CBN Balkan, erzählte, dass die Roma-Kinder „die vergessenen Kinder von Zagreb“ genannt werden. 

Geschichte der Wohnsiedlung 

Die Siedlung entstand in den 1980er Jahren, als eine Familie aus Bosnien nach Kroatien umsiedelte. Nach und nach zogen mehr Familienmitglieder nach. Sie kamen im Glauben, dass die Regierung ihnen aufgrund ihrer Armut eine kostenlose Wohnung zur Verfügung stellen würde. Doch vier Jahrzehnte später warten diese Familien immer noch auf die ihnen versprochen geglaubten Wohnungen. So entstand damals die Roma-Wohnsiedlung in Zagreb, in der heute etwa 100 Personen leben. Die meisten davon sind Kinder. Der Kontakt zwischen CBN Balkan und den Roma-Familien entstand im Jahr 2019. Seit Anfang 2020 unterstützt CBN Deutschland im Rahmen des Hunger-Hilfe-Programms von Operation Blessing die Roma-Familien mit Nahrungsmittel- und Hygienepaketen, die einmal pro Quartal verteilt werden. 

Foto: Nahrungsmittel- und Hygienepaketverteilung durch Operation Blessing – Diana Lagat. Quelle: CBN Deutschland

Zustand der Wohnsiedlung  

Diese Siedlung hat kein fließendes Wasser, weder Strom noch Heizung oder sanitäre Einrichtungen. Die Häuser werden aus altem Holz und Bauresten zusammengebaut und sind umgeben von Elektroschrott und Müllbergen voller Glas und Schadstoffe. Da es keine Anschlüsse gibt, zapfen die Menschen sich notdürftig Strom von der Stromleitung ab, doch dadurch entstehen immer wieder gefährliche Hausbrände. Ratten und andere Schädlinge sind auf dem Gelände weit verbreitet. Überall liegt Müll und die Kinder spielen barfuß zwischen Dreck, Glasscherben und Drähten. Da es keine Müllentsorgung gibt, verbrennt die Roma-Gemeinschaft ihren Müll direkt vor Ort. Dadurch werden die Dorfbewohner fast täglich schädlichen Chemikalien und giftigen Dämpfen ausgesetzt. Es ist schockierend, dass es Menschen gibt, die in Europa in solcher Armut leben. 

Foto: Roma-Wohnsiedlung in Zagreb. Quelle: CBN Deutschland

Das Leben der Kinder 

Über 60 Kinder leben derzeit in diesem Dorf. Da es kein fließendes Wasser, keine Heizung und keine Sanitäranlagen gibt, werden die Familien täglich mit der Frage konfrontiert, wie sie ihre Mahlzeiten kochen oder Geschirr spülen sollen, wie sie Kleidung für die Kinder reinigen können, wie sie duschen oder ihre Kinder waschen oder wie sie die Toilette benutzen sollen. Die Kinder und ihre Familien kämpfen täglich ums Überleben. Im tiefsten Winter sind die Kinder häufig ohne Mäntel oder Schuhe zu sehen. Fehlende oder schmutzige Kleidung und Schuhe sowie Unterernährung und gesundheitliche Probleme sind allgegenwärtig.  

Weil viele Eltern ihre Kinder nicht richtig ernähren und bekleiden können, schämen sich die meisten und schicken sie daher nicht zur Schule. So lernt die jüngere Generation auch nicht, wie wichtig Schule und Bildung ist. Diejenigen, die es zur Schule schaffen, brechen sie oft nach wenigen Jahren wieder ab. Viele verlassen die Schule schon mit 13 Jahren, sie heiraten jung und bleiben in diesem Kreislauf der Armut gefangen und finden keinen Zugang zur Gesellschaft. Sie bleiben dauerhaft ausgegrenzt und diskriminiert.  

Bildungsangebote von CBN 

Aufgrund des aufgebauten Vertrauensverhältnisses zwischen CBN Balkan und den Roma-Familien, lassen die Eltern inzwischen zu, dass ihre Kinder täglich vom CBN-Team abgeholt und zum Schulangebot für Vorschulkinder gebracht werden.  Etwa 2,5km (6min Autofahrt) entfernt und westlich von der Wohnsiedlung hat das CBN-Hilfswerk Orphan’s Promise ein kleines Gebäude gemietet, wo die Vorschulkinder jeden Vormittag einen sauberen und sicheren Ort zum Basteln, Spielen und Lernen haben. Hier haben die Kleinkinder eine Chance auf Bildung und ein normales Leben außerhalb des Dorfes. Nachmittags werden sie zurück nach Hause gebracht. Auch die Schulkinder kommen nach dem Unterricht hierher, damit sie ihre Hausaufgaben erledigen können. Es gibt zwei Schulkinder-Gruppen, die jeweils an zwei Tagen in der Woche zu diesem Lernort kommen. Es ist ein großer Aufwand, täglich all diese Kinder hin- und herzufahren und sie zu betreuen, aber die Arbeit lohnt sich.  

Foto: Lernraum von Orphan’s Promise. Andreas Heerwagen mit den Kindern. Quelle: CBN Deutschland

Vanja Bule erklärt, was die Vision von CBN Balkan ist: „Unsere Intervention zielt darauf, den Kindern die Möglichkeit zu geben, eine Entscheidung für ihr Leben zu treffen, um aus dem Armutskreislauf und dessen negativen Folgen auszubrechen. Die Kinder stehen im Mittelpunkt unserer Maßnahmen und unser Hauptziel ist, eine Generation zu beeinflussen, die innerhalb der Roma-Community eine positive Änderung bewirken wird. 

Aktuelle Situation 

Da CBN Balkan sich als einziger Akteur vor Ort für die Gemeinschaft einsetzt, hat die Stadt Zagreb großes Interesse daran, mit uns zusammenarbeiten. Die Stadt plant in der Zukunft Wohnräume für die insgesamt 17 Familien zur Verfügung zu stellen. Auch wenn dieser Prozess mit der örtlichen Verwaltung langwierig und mühsam bleibt, hält CBN an seinem Engagement für die Roma-Community fest.  

Foto: Roma-Kinder mit Vanja Bule (links), Diana Lagat und Andreas Heerwagen (in Vordergrund) und eine CBN Balkan Mitarbeiterin (rechts). Quelle: CBN Balkan

 

Vielen Dank an unsere Partner. Sie machen einen Unterschied! 

 

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