Drei Jahre danach: Sich für das Leben entscheiden

 

Heute vor drei Jahren wurde Israel von einem Terrorangriff erschüttert. Bei einer feierlichen Gedenkzeremonie erinnerten führende Vertreter des Landes in diesen Tagen an die 1.200 Menschen, die getötet, und die 251, die als Geiseln verschleppt wurden.

Dieser dritte Jahrestag des 7. Oktober ist der erste, an dem keine Geiseln mehr in Gaza festgehalten werden. Während die Gemeinden weiter wiederaufbauen, hat ein Team von CBN News (USA) die Region besucht, die an jenem verhängnisvollen Tag am schwersten getroffen wurde.

 

Eine Region schreibt das nächste Kapitel

 

Im Oktober 2023 gehörten die Gemeinden der Region Eschkol zu denen, die am meisten unter dem Massaker der Hamas gelitten haben. Doch das hat sie nicht aufgehalten. Auch wenn ihre Wunden noch heilen, stellen sie sich den Herausforderungen und bauen wieder auf.

„Es ist nicht leicht, im Zentrum eines historischen Ereignisses zu stehen. Es ist sehr schmerzhaft. Aber wenn man mitten in einem historischen Ereignis steht, hat man auch die Chance, das nächste Kapitel der Geschichte zu schreiben“, so Michal Uziyahu, Bürgermeisterin des Regionalverbands Eschkol.

Die Bürgermeisterin ist überzeugt, dass es für die Region Eschkol der beste Weg ist, sich für Hoffnung und Leben zu entscheiden. „Ich weigere mich, unsere Gemeinschaft zum Symbol für die Gräueltaten des 7. Oktober werden zu lassen“, sagte sie. „Wir werden das Beispiel dafür sein, sich für das Leben zu entscheiden, für den Moment danach, für Wiederaufbau und Aufblühen und dafür, eine sehr klare Vision für unsere Zukunft zu haben.“

Zur Region Eschkol gehören 32 Kibbuzim und verschiedene landwirtschaftliche Gemeinden, außerdem das Gelände des Nova-Musikfestivals. Uziyahu stellte fest, dass die massive Invasion mit einfachen Mitteln sowie die Barbarei und der Sadismus des 7. Oktober sie völlig überrascht hätten. Bürgermeisterin Uziyahu kannte mehr als 100 der Menschen, die an diesem Tag ermordet wurden, persönlich.

„Eschkol, eine Gemeinschaft von 17.000 Einwohnern, ist ein besonderes, eng verwobenes menschliches Geflecht“, erklärte sie. „259 Mitglieder unserer Gemeinschaft wurden ermordet, darunter Babys, Kinder und ältere Menschen, und 119 Geiseln. Die Hälfte der Geiseln stammte aus unserer Gemeinschaft.“

Kibbuz Be’eri liegt etwa fünf Kilometer von der Grenze zum Gazastreifen entfernt und sieht heute aus wie ein Neubaugebiet: Rund 120 neue Häuser sind im Bau. Vor drei Jahren wurde der Kibbuz zu einer der am schwersten getroffenen Gemeinden. Mehr als 100 Menschen wurden getötet und über 30 entführt.

 

Zwölf Stunden im Schutzraum

 

Der 70-jährige Itzhak Gad ist hier geboren und aufgewachsen. Er erinnert sich: „Wir waren mittendrin. Terroristen waren im Haus, um das Haus herum, auf dem Haus, und zum Glück beschlossen sie, dieses Haus unversehrt zu lassen, damit sie einen Aussichtspunkt über der Kreuzung an der Straße hatten. Und sie saßen dort und standen dort und warteten, dass die Soldaten kommen.“

Während die Terroristen schwere Waffen auf ihr Dach brachten, harrten er, seine Frau und sein Sohn mehr als zwölf Stunden in ihrem Schutzraum im Haus aus. Gad erinnert sich: „Die Zeit verging, und ein paar Stunden später hörten wir plötzlich zwei sehr, sehr laute Explosionen. Sie (die Kämpfer der Hamas) hatten auf zwei Polizeiwagen geschossen, die in den Kibbuz fuhren. Die Explosion der Polizeijeeps löste ein sehr großes Feuer aus, und unser Haus fing an zu brennen. Die Terroristen auf dem Dach und im Haus flohen vor dem Feuer. Und das war unser Glück.“

Wo einst das Haus der Familie Gad stand, ist heute ein leeres Grundstück. Alle beschädigten Häuser des Kibbuz wurden abgerissen, bis auf eines, das derzeit als Gedenkstätte dient. „Gegen 20 oder 21 Uhr hörten wir draußen hebräische Stimmen, die fragten, ob jemand zu Hause ist. Das Haus sah nicht so aus, als könnte man hinein, weil alles verbrannt war. Und dann öffnete meine Frau mutig das Fenster und sagte: ‚Ja, wir sind hier, Familie Gad.‘“

Noch im Schlafanzug krochen sie aus dem Fenster und verließen ihr verbranntes Haus ohne jeden Besitz. „Und das war’s, sie holten uns heraus, und als wir draußen waren, wurde uns das Ausmaß des Chaos bewusst. Und das war’s. So haben wir überlebt“, berichtet Gad.

 

Zurück nach Be’eri

 

Die meisten der 1.100 überlebenden Bewohner des Kibbuz wurden in ein Hotel am Toten Meer gebracht. Bereits nach acht Monaten kehrten Gad und seine Frau in den Kibbuz zurück. „Die erste Nacht war ich hier allein“, erinnert er sich. „Es war sehr kalt und es war beängstigend, und dann kam noch eine Nacht und noch eine, und so gewöhnt man sich daran, man gewöhnt sich an die ganze Geschichte.“

Er fügte hinzu: „Anfangs gab es viele Explosionen, viel Gewehrfeuer, die Armee hörte nicht auf zu schießen, die Flugzeuge bombardierten weiter. […] Überall, wo ich nach dem 7. Oktober war, fühlten wir uns wie Flüchtlinge“, sagte er. „Alle sahen mich immer mit diesem mitleidigen Blick an, und hier fühlte ich mich am besten. Als ich nach Be’eri kam, fühlte ich mich wohl. Ich fühlte mich zu Hause. Das ist mein Zuhause. Ich habe nichts anderes.“

Gad schätzt, dass irgendwann etwa 90 Prozent der Überlebenden zurückkehren werden. „In Zukunft werden viele Menschen zurückkehren. Nicht alle. Nicht jeder kann sich der Angst stellen, den Sorgen oder den Herausforderungen, vor denen dieser Kibbuz steht. Nicht jeder kann in einer Gemeinschaft leben, die trauert. Es gab viele Geiseln. Es gab Geiseln über Monate und Jahre.“

 

„Wir bauen wieder auf“

 

Bürgermeisterin Uziyahu sagt, der Gedanke an den Holocaust habe ihr Kraft gegeben: Nach der Ermordung der sechs Millionen hat das jüdische Volk ein Land aufgebaut. Jetzt halten sie an einer radikalen Hoffnung fest. „Wir haben viele Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen. Ja. Ob ich mir selbst leidtue? Was würde das helfen? Wir haben viel Arbeit vor uns. Und so wie man nach dem Holocaust ein Land aufgebaut hat, werden wir wieder aufbauen. Wir bauen wieder auf. Und ich finde, dass die Ergebnisse großartig sind.“

Kibbuz Be’eri wurde noch vor dem Staat Israel gegründet und am 6. Oktober 80 Jahre alt. Gad erzählte uns, dass sich jedes Mal, wenn sie an die Verstorbenen denken, Trauer mit Freude mischt.

„Wir werden eine sehr schöne Landwirtschaft haben, alles wird gedeihen, wie man sagt: aufblühen. Wie Sie hier sehen: Die Bäume sind grün, und sie werden noch grüner werden, und die Früchte noch süßer. 80 Jahre Staat Israel, Kibbuz Be’eri – das heißt, wir werden für immer hierbleiben. Wer uns von hier vertreiben will, wird keinen Erfolg haben. 80 Jahre sind erst der Anfang. Wir werden auch 800 und 8.000 Jahre feiern.“

 

*Beitragsbild mit KI erweitert

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