Zerbrochen und erneuert

Kennen Sie Kintsugi? Der Klang des Wortes lässt schon andeuten, dass es sich um etwas Fernöstliches handelt, nicht wahr? Kintsugi ist japanisch, bedeutet “goldene Verbindung” und ist die Bezeichnung für eine alte japanische künstlerische Methode, zerbrochene Keramik oder Porzellan mit goldenem Kleber zu fixieren. Das Besondere daran ist, dass unverkennbar ist, dass es sich um eine Reparatur handelt. Allerdings liegt darin auch die besondere Ästhetik und Einzigartigkeit dieser Töpferware.

Kintugi_Von Haragayato - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, httpscommons.wikimedia.orgwindex.phpcurid=50344039.j

Kintugi_Von Haragayato, Quelle: Wikipedia

Vision für Roma im Balkan

Im CBN Balkan Büro hängt ein großes Plakat, das die Kunst von Kintsugi zeigt. Es ist eine wunderbare Erinnerung und dient auch als Vision dafür, dass so viele bedürftige und notleidende Menschen und Familien im Balkan durch Gottes Liebe und Gnade eine komplette Erneuerung erleben können. Sie mögen “zerbrochen sein” in ihren Lebenssituationen, in ihren Hoffnungen und ihrer Selbstwahrnehmung, aber Gott ist ein Künstler und Schöpfer, der hilft, vergibt und eine neue einzigartige Schönheit schenkt. 

Diese Vision und dieser Traum gilt auch für die vielen Roma-Gemeinschaften, die im Balkan beheimatet sind, insbesondere auch in Kroatien. Die Roma leben im Balkan größtenteils ausgegrenzt, haben kaum Chancen auf Bildung und leben häufig ohne Zugang zu Wasser und Strom. Lebensmittel sind knapp und die Armut in dieser Gemeinschaft ist extrem.

Die Roma werden ausgegrenzt und sich selbst überlassen. Das führt häufig dazu, dass behelfsmäßig Siedlungen entstehen – ohne Strom und Wasser.

Lebensmittel und Bildung

Vanja Bule, Direktorin unseres CBN Balkan Büros und ihr Team setzen sich durch Orphan’s Promise und Operation Blessing insbesondere für eine Roma-Gemeinschaft in Zagreb ein. Sie besuchen regelmäßig das “Dorf”, lernen die Menschen kennen und erzählen ihnen von Gottes Liebe für sie. Sie verteilen Lebensmittel und Hygieneartikel und finden Wege, um der Gemeinschaft nachhaltig zu helfen. Ein Wunsch unseres Teams ist es, eine Schule in dieser Roma-Gemeinschaft zu errichten, um den  Kindern und Heranwachsenden zu ermöglichen, den Armutskreislauf durch eine gute Bildung zu durchbrechen. 

Unser Team baut Beziehungen mit den Menschen vor Ort. Das stärkt Vertrauen und öffnet Herzen.

Operation Blessing hilft dieser Roma-Siedlung mit der Ausgabe von Essenspaketen und Hygienemitteln. Ein großer Segen für die Familien, insbesondere zu Zeiten der Corona-Pandemie.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In der neuen Ausgabe von unserem Erlebt Magazin berichten wir von einem Einsatz in diesem Roma-Dorf, der besonders Kinderaugen zum Strahlen brachte. Das neue Erlebt Magazin ist ab 1. Dezember erhältlich. Bestellen Sie sich hier Ihre kostenfreie Ausgabe:

 

Hier ist ein kurzer Blick auf die Geschichte der Roma in Europa.
1. Wer sind die Roma?
Die Roma sind eine ethnische Minderheit, die seit Jahrhunderten in Europa lebt. In Deutschland sprechen wir häufig von den Sinti und Roma, außerhalb des deutschen Sprachraums wird Roma als Name für die gesamte Minderheit verwendet.

Als ‚Sinti‘ werden die Angehörigen der Minderheit bezeichnet, die sich vorwiegend in West- und Mitteleuropa angesiedelt haben, ‚Roma‘ leben zumeist in ost- und südosteuropäischen Ländern. Die Sprache der Sinti und Roma heißt Romanes oder Romani, die weltweit von fast 6 Millionen Menschen in über 100 Dialekten gesprochen wird. In Deutschland leben übrigens etwa 70.000 deutsche Sinti und Roma.

2. Woher kommen die Roma?
Historiker vermuten, dass die Vorfahren der Roma zuerst aus Nordindien über den heutigen Iran, Armenien und die Türkei nach Europa kamen. Ab dem 9. Jahrhundert breiteten sie sich allmählich in ganz Europa aus.

3. Was taten die Roma?
Traditionell zogen sie von Ort zu Ort, obwohl die meisten Roma heute „sesshaft“ sind und an einem Ort leben. Zu ihnen gehörten Handwerker (z. B. Holz- und Kupferarbeiter), Landarbeiter, Schmiede, Musiker, Wahrsager und Unterhalter. Zunächst wurden sie wegen ihrer Fähigkeiten willkommen geheißen, doch schon bald betrachteten die Regierungen und die Kirche sie als verdächtige Außenseiter und „Heiden“.

4. Wie wurden sie behandelt?
Bis zum Ende des 15. Jahrhundert wurden Sinti und Roma in vielen europäischen Ländern noch urkundlich erwähnt. Mit Beginn der frühen Neuzeit und einhergehenden politischen und sozialen Veränderungen breitete sich Antiziganismus aus und Sinti und Roma wurden unterdrückt und vertrieben, als Heiden und Hexen beschimpft und später sogar versklavt.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts führte Kaiserin Maria Theresia von Österreich-Ungarn die “Zigeunerpolitik” ein – die Roma in Ungarn sollten sesshaft werden, durften ihre Sprache nicht mehr sprechen, Roma-Kinder wurden von ihren Eltern getrennt und für ungarische Eltern zur Adoption freigegeben. Auch Regionen in Deutschland übernahmen die Politik. Sesshaft zu werden bedeutete für viele Roma also Sprache, Kultur und die Familienstruktur aufzugeben, was für viele eine gezwungene Heimatlosigkeit zur Folge hatte. In den 1930er Jahren betrachteten die Nazis in Deutschland Roma als „rassisch minderwertig“ und ermordeten während des Zweiten Weltkriegs Hunderttausende von ihnen. Nach dem Krieg wurden die Roma weiterhin diskriminiert und unterdrückt, insbesondere in der Sowjetunion. Zwischen den 1970er und 1990er Jahren wurden in der Tschechischen Republik und der Slowakei rund 90.000 Roma-Frauen gegen ihren Willen sterilisiert.

5. Ist es in Ordnung, Roma „Zigeuner“ zu nennen?
In den meisten Sprachen gilt „Zigeuner“ als Beleidigung und wird von Roma-Organisationen abgelehnt. „Roma“ ist der richtige Begriff für alle verwandten Gruppen, unabhängig von ihrem Herkunftsland. Es wurde 1971 zum weltweit akzeptierten Begriff, als Vertreter der Roma-Gemeinschaften eine Flagge, eine Hymne und einen internationalen Tag der Roma  (8. April) einführten.

6. Wie ist die Situation der Roma in Europa heute?
Millionen von Roma leben in isolierten Slums, oft ohne Strom und fließendes Wasser, und haben Schwierigkeiten, die notwendige medizinische Versorgung zu erhalten. Viele sind täglich von Zwangsräumungen, polizeilichen Schikanen und gewalttätigen Übergriffen bedroht. Roma-Kinder werden auch in den Schulen häufig ausgegrenzt und erhalten einen niedrigeren Bildungsstandard.

7. Welche Auswirkungen hat dies?
Roma haben mehr Gesundheitsprobleme, leben in schlechten Wohnverhältnissen und haben schlechtere Lese- und Schreibfähigkeiten als Nicht-Roma. In Mittel- und Osteuropa haben sie eine um 10 Jahre geringere Lebenserwartung als andere. Im Durchschnitt verdienen sie auch weniger und sind häufiger arbeitslos. Ohne gute Arbeit können sie sich weder eine angemessene Wohnung noch eine gute Gesundheitsversorgung oder eine gute Ausbildung für ihre Kinder leisten.

8. Wie kommt es zu dieser Situation?
Diese Situation ist nicht das unvermeidliche Ergebnis von Armut. Sie ist die Folge jahrhundertelanger Vorurteile und Diskriminierung durch Regierungen, Institutionen und Einzelpersonen. Gemeinsam haben sie die große Mehrheit der Roma an den Rand der Gesellschaft gedrängt – und sie dort gehalten.

Quellen:
Zentralrat deutscher Sinti und Roma: www.zentralrat.sintiundroma.de    
Verband deutscher Sinti und Roma e.V. Landesverband Schleswig Holstein: www.sinti-roma-sh.de

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