In jeder Wunde steckt ein Wunder

Déborah Rosenkranz

„Wow, wir haben doch noch einen Platz in dem eigentlich vollausgebuchten Restaurant bekommen! DAS ist ein Wunder!“ Wie schnell und unbedacht hängen wir diesen kurzen Satz hinter eine Alltagssituation. Doch wenn wir gefragt werden, ob wir „unser Wunder“ schon erlebt haben, dann wird es plötzlich ganz still. Ja, was ist denn das Wunder, das du erwartest? Welches Wunder würde dein Leben verändern?

Kürzlich saß ich mit einem wundervollen Ehepaar zusammen. Der Mann sitzt seit seiner Jugend im Rollstuhl und die Frau hängt alle zwei Tage am Dialysegerät, weil die Ärzte einen Fehler gemacht haben. Wie sehr würde ich ihnen beiden ihr „Wunder der Heilung“ wünschen. Doch wenn man sich mit ihnen unterhält, hat man nicht das Gefühl, dass es das ist, was ihre Lebensfreude bestimmt.

Wir kamen auf das Thema „Wunder“ zu sprechen und sie meinten: „Wir sind überzeugt davon, dass Gott Wunder tut. Doch das Wunder scheint nicht das zu sein, dass wir geheilt werden. Das Wunder ist, dass wir trotz allem glücklich sein dürfen! Und weil wir uns entschieden haben, dieses Wunder zu sehen und nicht auf die Heilung zu warten, die wir Menschen als Wunder interpretieren, haben wir mindestens genauso viel – wenn nicht mehr – als gesunde Menschen erleben dürfen.“

„In jeder Wunde steckt ein Wunder“, das ist ein Quote aus einem meiner Bücher. Ist dir schon einmal aufgefallen, dass in dem Wort „Wunder“ auch das Wort „Wunde“ steckt? Kann es also sein, dass das zusammengehört? Ein Gedanke, den wir nicht so gerne weiterverfolgen. Doch es ist eine Wahrheit, die Klarheit in unsere „Wundersuche“ bringt.

Auch ich habe in meinem Leben Schreckliches erleben müssen, das nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Ich wurde vergewaltigt. Und in diesem Moment glaubte ich, mein Leben sei zu Ende. Definitiv war hier kein Wunder in meiner Wunde zu sehen…

Das Wunder, dass ich mir in diesem Moment gewünscht habe war, dass Gott die Zeit zurückdreht und diesen Moment ungeschehen macht. Doch das ist nicht geschehen. Dennoch bekomme ich ständig die Frage gestellt: „Wie kannst du so glücklich sein?“

Genauso glücklich wie dieses Ehepaar. Dabei haben wir unser Wunder doch gar nicht erlebt. Oder doch?

Und was, wenn wir das wahre Wunder nicht sehen, weil wir daran vorübergehen?

Was, wenn Wunder ganz anders aussehen, als wir sie uns vorstellen? Im Wörterbuch wird das Wort „Wunder“ so erklärt: „Etwas, was in seiner Art, durch sein Maß an Vollkommenheit das Gewohnte, Übliche so weit übertrifft, dass es große Bewunderung, großes Staunen erregt.“ (Duden)

Bei „Vollkommen“ klingelt es bei mir sofort. Denn Matthäus 5,48 verrät uns, wer wirklich vollkommen ist: „Ihr aber sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“

Und wenn wir noch einmal auf das Wörterbuch zurückgreifen, dann erkennen wir, dass selbst hier deutlich wird, dass Gott – der vollkommen ist – in seinem Handeln „das Gewohnte, das Übliche, übertrifft!“

Deswegen: „Achte darauf, nicht an deinen Wundern vorüberzugehen, nur weil sie ‚anders‘ aussehen.“

Gott hat meine Bekannten nicht aus dem Rollstuhl geholt und auch nicht die Niere seiner Frau wiederhergestellt. Doch er hat sie beide mit einer so großen Lebensfreude, Kraft und Liebe füreinander beschenkt, die ich bei keinem anderen Ehepaar jemals so erlebt habe! Und obendrauf noch mit solch einer Intelligenz und großen Begeisterung für technische Dinge, die sehr wichtig sind, um solch ein Dialysegerät bedienen zu können! Gott hat ihnen alles geschenkt, was es braucht, um mit dieser Situation sehr gut umgehen zu können. Ist DAS nicht WUNDER-voll?

Gott hat auch in meinem Leben nicht die Uhr zurückgedreht und dadurch verhindert, dass ich solch eine traumatische Erfahrung machen musste. Doch er hat mir den Schmerz – komplett – genommen und er hat mich sogar jahrelang vergessen lassen(!), was geschehen war. Bis ich soweit war, mich daran erinnern zu können, ohne an die Wunde zu denken, dafür aber das Wunder zu sehen. Das Wunder zum Weitergeben! Denn heute darf ich vielen Menschen helfen, die Ähnliches erlebt haben. Und das kann ich nur, weil ich es erlebt habe. Auch mir hat Gott alles geschenkt, um mit dem Erlebten sehr gut umzugehen. Ist DAS nicht WUNDER-voll?

Eine weitere WUNDERvolle Geschichte, die seit vielen, vielen Jahren weitergegeben wird, ist die Geburt Jesu, die Geburt unseres Retters: „Heute ist für euch in der Stadt, in der schon David geboren wurde, der lang ersehnte Retter zur Welt gekommen. Es ist Christus, der Herr.“ (Lukas 2,11)

Wir sprechen hier von dem WUNDER-vollsten Ereignis überhaupt! Gott schenkte uns einen Retter! Mehr „Wunder“ geht gar nicht! Doch schau mal, wie der Vers weitergeht: „Und daran werdet ihr ihn erkennen: Das Kind liegt, in Windeln gewickelt, in einer Futterkrippe!“ (Lukas 2,12)

Doch nicht mehr ganz so WUNDER-voll. Wir hätten uns hier eher ein 5-Sterne Hotel mit hauseigenem Ärzteteam vorgestellt. Apropos „vorgestellt“. Dieses große Wunder hätte sich Josef auch ganz anders vorgestellt…

Der Plan war doch, dass er seine Maria heiratet und sie dann Kinder bekommen würden. Jetzt berichtet sie ihm unter Tränen, dass sie schon schwanger ist! Ob Josef erst einmal auf Instagram nachgeschaut hat, mit wem Maria in letzter Zeit so unterwegs gewesen ist? Wie sollte er das seiner Familie erklären? Das konnte doch alles gar nicht wahr sein!

Doch Josef entschied sich, Gott zu vertrauen und somit entschied er sich für sein Wunder! Das Wunder, das er in dem Moment noch nicht sehen konnte. “Da, wo es nichts zu hoffen gab, gab er die Hoffnung nicht auf, sondern glaubte!” (Römer 4,18 NGÜ)

Und Maria? Ihr muss es sehr ähnlich ergangen sein! Zu wissen, dass sie mit keinem Mann geschlafen hatte und dennoch schwanger war, das muss ein furchtbarer Schock gewesen sein! Wie viele angespannte Gespräche, um es mild auszudrücken, muss sie mit Josef geführt haben? Wie viele Menschen werden hinter ihrem Rücken über sie geredet haben. Auch das muss weh getan haben. Das muss eine tiefe Wunde gewesen sein…

„In jeder Wunde steckt ein Wunder.“ Das Wunder konnte sie in diesem Moment noch nicht sehen. Doch sie entschied sich, Gott zu vertrauen und somit entschied sie sich für ihr Wunder.

Und in dieser schwierigen Situation, die Maria und Josef emotional sicher einiges gekostet hat, in diese turbulente Zeit der vielen Fragen, Zweifel und Unsicherheiten, in diese Zeit, in der das Wunder vielmehr nach einer grossen Wunde aussah, sprach ein Engel zu Maria: „Sei gegrüßt, Maria! Gott ist mit dir! Er hat dich unter allen Frauen auserwählt.“ Maria fragte sich erschrocken, was die seltsamen Worte bedeuten könnten. „Hab keine Angst, Maria“, redete der Engel weiter, „Gott hat dich zu etwas Besonderem auserwählt.“ (Lukas 1,28-30)

Und in genau diese Zeit, in der auch in deinem Leben – in unser aller Leben – so einiges durcheinander zu laufen scheint und die Wunde womöglich sichtbarer ist als das Wunder, möchte Gott dich daran erinnern, dass er dir alles geben kann, was es braucht, um mit dieser Zeit, mit dieser Situation, gut umzugehen.

Weil er auch dich auserwählt hat – nicht trotz deiner Situation, sondern gerade durch deine Situation. Wichtig ist, dass du Gott, wie Josef und Maria, dein Vertrauen schenkst und dich somit für dein Wunder entscheidest! Vergiss nicht:

Du siehst nur, was noch nicht ist. Doch er sieht schon, was sein wird! 

 

Was ist denn nun ein Wunder? Was ist dein Wunder?

Das Wunder ist die Hoffnung Gottes in deiner Hoffnungslosigkeit

die Freude Gottes in deiner Freudlosigkeit

die Wahrheit Gottes, wo die Lüge Platz eingenommen hat

die Kraft zur Vergebung, wo die eigene Kraft dazu nicht mehr ausreicht

die vollkommene Liebe Gottes, wo dein Herz gebrochen wurde.

Das Wunder ist das Entdecken der Kraft der eigenen Geschichte,

in der aus einer Wunde tatsächlich ein Wunder wird.

 

Danke für Dich

Déborah Rosenkranz

P.S. Tägliche ermutigende Kurzandachten schreibt die Sängerin und Buchautorin Déborah Rosenkranz bei www.einwunderfuerjedentag.de – einfach kostenfrei anmelden und täglich früh morgens eine E-Mail der Ermutigung erhalten.

 

Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag aus dem Erlebt Magazin zum Thema „Wunder“

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