Gastbeitrag von Leo Bigger, Senior-Pastor ICF Church Zürich

Worauf wartest du?

Jeder wünscht sich Veränderung in gewissen Lebensbereichen. In der Gesundheit, vielleicht in einer Beziehung, die sich hoffentlich zum Positiven ändert. Oder die Noch-nicht Oma wünscht sich sehnlichst einen Enkel. Der Vater möchte eine bessere Beziehung zu seinem Sohn aufbauen. Oder ein anderer sehnt sich nach der fehlenden Arbeitsstelle, die es ermöglicht, endlich alle Rechnungen zu bezahlen.

Wie gehst du mit dem Warten um?

Wir haben als ICF in den letzten dreißig Jahren viel gewartet. Ich habe persönlich viel gewartet. Der Schlüssel zum Erfolg liegt nicht allein nur darin, eine Vision zu haben, sondern auch, wie man wartet, bis sich die Vision erfüllt.

Wenden wir unsere Aufmerksamkeit Habakuk zu. Er ist supergut gestartet, hat krasse Wunder erlebt. Irgendwann sagt Gott zu Habakuk, dass die schönen Zeiten vorbei sind und schlimme Ereignisse vor Israel und somit auch vor ihm liegen. Er schlittert samt Volk in eine Monsterkrise. Er versteht Gott nicht mehr, da er sich ja nicht gegen ihn gewandt hatte. Gott ist weit weg. Und da, mitten in seiner Glaubenskrise, steckt Gott Habakuk etwas Match-Entscheidendes zu. Habakuk 2, Vers 3: „Denn, was ich dir jetzt offenbare, wird nicht sofort eintreffen, sondern zur festgesetzten Zeit.“ (Hfa)

Das Wort „festgesetzt“ bedeutet, dass du es nicht beschleunigen kannst. Das ist mal der schlechte Teil der Nachricht für alle ungeduldigen Menschen wie mich und Sir Habakuk. Das Positive: Niemand kann diese Sache stoppen. Nicht einmal der Teufel.

Es geht weiter in Vers 3: „Es wird sich ganz bestimmt erfüllen, darauf kannst du dich verlassen. Warte geduldig, selbst wenn es noch eine Weile dauert!“ Wenn du also mit vielen Fragen an den himmlischen Chef im Sumpf sitzt und dich fragst, warum der da oben nicht mal ein bisschen Gummi gibt und gefälligst deine Gebete erhört, sagt Gott ganz cool: „Chill deine Base, mein Sohn. Deine Vision wird sich erfüllen. Denn sie stammt von mir.“

Warten fühlt sich nie geschmeidig an. Da zeigt dir jemand das schönste Geschenk, zieht dir den Speck durch den Mund und sagt dann knochentrocken: „Kannst du haben, aber nicht jetzt. Mal schauen, wann.“

Wie gestaltest du deine Wartezeit?

Wenn du also wartest, sollte es das Ziel sein, das Ziel nie aus den Augen zu verlieren. „Der Glaube ist der tragende Grund für das, was man hofft: Im Vertrauen zeigt sich jetzt schon, was man noch nicht sieht.“ Hebräer 11,1 (Hfa) Wenn wir Gott vertrauen, dass er seine Versprechen einlöst, wirkt sich das entspannend auf unsere ganze Situation und unser Gefühlsleben aus. Denn dann geht es nicht um ein Festklammern, Angst haben, Stillstehen oder Aufgeben, sondern wir glauben aus tiefstem Herzen, dass alles gut kommt mit unserem Gott. Weil wir wissen, dass Gott uns führt, werden wir aktiv, gehen Schritte in diese Richtung.

Wenn du auf Gottes Antwort wartest, drehe dich mal kurz um.

Das ist ein einfaches, aber hochwirksames Prinzip, das man während des Wartens praktizieren kann, um die Sorgen zu verabschieden. Ich liebe es, wenn ein Prinzip funktioniert! Wir schauen im Leben zurück auf die Wunder, die Gott gemacht hat, und wir schauen voraus und sehen, welche Verheißungen Gott uns gegeben hat.

Wenn du in einer Warteschleife bist, auf Gesundheit, ein Wunder, einen Durchbruch, einen besseren Job oder was auch immer wartest, dann schaue zurück auf die Wunder, die Gott in deinem bisherigen Leben aus dem Ärmel geschüttelt hat. Das baut deinen Glauben auf und will dir Mut machen: Gott ist derselbe, gestern, heute und in alle Ewigkeit.

Wenn du auf Gottes Antwort wartest, schaue nach vorne.

Das zweite Prinzip ist die Kraft des Erkennens. Schau nach vorne! Entwickle ein Bild, das Gott für dich bestimmt und dir verheißen hat. Wann immer ich in einer Warteposition bin, der eine Verheißung vorangegangen ist, weiß ich, dass sich die Verheißung erfüllen wird. Wenn ich realisiere, dass es länger dauert, als ich gedacht habe, führe ich mir immer wieder die Vision vor Augen: „Leo, trotzdem oder deswegen ist das deine Bestimmung in deinem Leben. Du wirst in vielen Ländern auf dieser Welt predigen.“ Das hilft mir: Anschauen zu können, wohin Gott mich führen will. Schaue zurück auf die Wunder, die Gott getan hat, und schaue nach vorne, was Gott auch in Zukunft noch machen wird. Das ist eine immense Hilfe in der zähen Warteschleife. Es hilft dir, in deiner Warteposition nicht unnötig ungeduldig zu werden und plötzlich die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.

Wenn du auf Gottes Antwort wartest, vergleiche dich nicht.

Du wirst immer jemanden finden, von dem du glaubst, dass er mit Gott draufgängerischer, effizienter und cooler unterwegs ist. Menschen, die keine Probleme und keine Nöte zu kennen scheinen und bei denen die Sonne aus der Achselhöhle scheint. So wie es aussieht, erhört Gott ihre Gebete innerhalb einer Nanosekunde. Immer. 24/7.

Aber du bist wie Habakuk in einer Monsterwarteschlaufe drin und triffst dort auf ganz viele Biathleten, die beim Schießen nicht ins Schwarze, sondern in den weißen Schnee getroffen haben. Du bist am Warten und am Warten und hast schon einen ganz flachen Hintern. Alle um dich herum haben es viel einfacher als du. Außer deine neuen Biathletenfreunde und Habakuk der Loser.

Vergleichen ist immer falsch. Es wird dich immer verletzen, wenn du das Gefühl hast, Gott sei unfair zu dir.

Wenn du auf Gottes Antwort wartest, hole dir Unterstützung.

Ohne Unterstützung tauchst du ab. Du hältst nicht durch, bis sich die Vision erfüllt. Wieso braucht man die Kirche? Sie ist da, um zu helfen. Wieso gehe ich in eine Smallgroup, wo ich mich alle zwei Wochen mit haarigen Männern treffe? Weil wir uns auf dem Weg mit Gott helfen, nochmals etwas riskieren zu können.

Gib nicht auf, nur weil du einmal gefallen bist! Die Bibel sagt in Sprüche 24,16: „Der Gerechte fällt sieben Mal um, aber er steht wieder auf.“ Du brauchst Leute, die dir helfen, deine Geschichte nochmals zu schreiben. In dieser guten göttlichen Gemeinschaft erlebst du Heilung und Genesung. Du stehst wieder. Das ist die Kunst des „Aufstehens“. Sie wird durch Gemeinschaft erst möglich.

Irgendwann hast du deinen Lauf vollendet, du stirbst und stehst vor dem Richter. Und Jesus wird sagen: „Well done! Du hast es gut gemacht, du treuer und zuverlässiger Diener.“

Auch wenn Warten nie einfach ist, gerade in dieser schnelllebigen Zeit, in der Abkürzungen an der Tagesordnung sind, tut uns Warten gut, denn sonst wären Warten und Geduld keine Geistesfrüchte (Galater 5,22). Warten fördert das tiefe Vertrauen in Gott, der Herr über Raum und Zeit ist. Gott wird kommen und sein Versprechen einhalten.

„Noch trägt der Feigenbaum keine Blüten, und der Weinstock bringt keinen Ertrag, noch kann man keine Oliven ernten, und auf unseren Feldern wächst kein Getreide; noch fehlen Schafe und Ziegen auf den Weiden, und auch die Viehställe stehen leer. Und doch will ich jubeln, weil Gott mich rettet, der Herr selbst ist der Grund meiner Freude! Ja, Gott, der Herr, macht mich stark; er beflügelt meine Schritte, wie ein Hirsch kann ich über die Berge springen.“ Habakuk 3,17–19 (Hfa)

 

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch von Leo Bigger „Habakuk“, copyright 2019 by Fontis-Verlag, Basel, und ICF Media GmbH, Dübendorf.

 

 


 

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1 Kommentar
  • Rudolf Eibel
    Antworten

    Amen!!!

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