Eine Definition von Liebe
Wie wir die Einheit im Geist bewahren können
von Anja Scholl, Leitung Online
Geigen, Pianos, Pauken und Trompeten. Sie alle haben einen einzigartigen Klang. Manche Instrumente mögen wir mehr, manche weniger. Und wenn sie alle gleichzeitig erschallen, kann es schnell chaotisch werden. Doch wenn sie Harmonien bilden, wird aus vielen Stimmen ein anziehender, wunderschöner Klang, der kaum zu übertreffen ist.
Genauso ist es mit Gemeinde. Unter Christen sammeln sich Menschen mit unterschiedlichsten Meinungen, Charakteren und Lebenssituationen. Dadurch kann Chaos ausbrechen: Konflikte flammen auf, Verletzungen entstehen, Gemeinden spalten sich. Dabei birgt gesunde Einheit eine große Anziehungskraft auf andere. Wie schaffen wir es, in solcher Einheit zu leben?
Das Wichtigste ist, dass wir wie das Orchester den Dirigenten für die Harmonie brauchen. Denn Einheit ist ein Geschenk Gottes. In Epheser 4,3 lesen wir, dass wir die Einheit im Geist bewahren sollen. Wir schaffen sie also nicht, unsere Aufgabe ist es, sie zu bewahren.
Doch wie wird das möglich, wenn sich uns vom Klang von Trompeten unsere Zehennägel anheben?
Die Antwort finden wir einen Vers vorher. Paulus ruft zu Demut, Sanftmut und Geduld auf. Und knüpft daran die Worte „Ertragt einer den anderen in Liebe.“ (Epheser 4,2; LUT) Ich liebe die Luther-Übersetzung an dieser Stelle. Manchmal müssen wir einander schlicht aushalten, denn wir alle sind in manchen Punkten schwierig. Leider sind diese Worte im Deutschen sehr negativ konnotiert. Dabei stammen sie doch von den Worten „tragen“ und „halten“. In Liebe sollen wir einander er-tragen. Wie kann diese Art Liebe praktisch aussehen?
Ein Redner stellte einmal eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Definition von Liebe auf: Er bezog sich auf 1. Mose 4,1: „Und Adam erkannte seine Frau Eva, und sie ward schwanger …“ Erkennen meint hier Sexualität. Doch es steckt mehr darin: Es deutet ein tiefes seelisches (und leibliches) Einswerden an. Eine Einheit, die mit der Ehe entsteht.
Paare, die gerade frisch verheiratet sind, kennen sich lange nicht so gut, wie welche, die Jahrzehnte miteinander verbracht haben. Das Kennenlernen ist ein lebenslanger Prozess. Diesen aktiv und bewusst zu gestalten, sich um den anderen zu bemühen, ihn immer weiter zu erforschen – das definierte er als Liebe.
Ich glaube, dass diese Definition auch auf platonische Beziehungen übertragbar ist. Oft sehen wir nur die Konflikte oder die Schwächen des anderen. Stattdessen könnten wir uns um Verständnis füreinander bemühen. Wir können zu verstehen versuchen, warum ein Thema so viel Emotion bei dem anderen (und uns selbst!) auslöst. Konflikte drehen sich nicht immer um die eigentliche Diskussion. Manchmal liegen dahinter alte, tiefe Verletzungen oder aktuelle schwierige Lebensumstände – Dinge, die wir nicht ahnen. Wenn wir uns um Verständnis füreinander bemühen, uns besser kennenlernen, kann sich Frustration zu Mitgefühl wandeln, wir beginnen einander zu tragen. Also lasst uns darum bemühen, einander zu erforschen und wir werden merken, dass wir harmonischer klingen werden.
Mehr zum Thema Einheit lesen Sie in dem neuen CBN-Bibelleseplan „Das Potential bewahrter Einheit“ in der YouVersion Bibel-App oder hier zum Ausdrucken.



