Ich brauch dich nicht
Von Johanna Braun, Pastorin Equippers Flensburg
Wusstest du, dass Bäume miteinander sprechen? Unter der Erde läuft ein stilles Gespräch, das Forscher das „Wood Wide Web“ nennen. Über ihre Wurzeln, durch feine Pilzgeflechte, tauschen sie Informationen aus und versorgen sich gegenseitig. Ein unsichtbares Netzwerk voller Leben. Was, wenn wir genauso gedacht sind?
Die Natur selbst zeigt: Leben ist auf Gemeinschaft angelegt. Kein Baum steht für sich allein – und wir auch nicht.
Gottes Idee von Gemeinschaft
Dieses Prinzip beginnt nicht erst bei den Bäumen. Schon im ersten Kapitel der Bibel offenbart sich Gottes Idee von Gemeinschaft: Der dreieinige Gott schafft den Menschen als Gegenüber, nicht zur Isolation. „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist“ (1. Mose 2,18), sagt Gott – und setzt ihn in Beziehung.
Und trotzdem: So sehr wir digital vernetzt sind, so leer fühlen sich viele von uns. Die Zahlen zeigen: Über die Hälfte der jungen Deutschen fühlen sich einsam (Bertelsmann Stiftung 2024). Gemeinschaft ist zur Option geworden – nicht mehr zur Notwendigkeit. Wir sind unabhängig geworden und können sagen: „Ich brauche dich nicht“. Doch diese Unabhängigkeit führt zu Unsicherheit und sozialer Angst.
Gottes Gedanke für unser Leben sieht anders aus. Er weiß, wozu er uns geschaffen hat und was wir brauchen. Darum schuf er einen Ort, der seinen Kindern Sicherheit und Gemeinschaft schenken soll: Er gründete Kirche.
Kirche – ein lebendiger Leib
Kirche ist kein loses Nebeneinander von Christen – sondern ein lebendiger Leib, dessen Kopf Jesus selbst ist, verbunden durch den Heiligen Geist. Wie Bäume durch das Wood Wide Web verbunden sind, so sind Christen durch Gottes Geist zu einem lebendigen Organismus vereint, der uns verbindet, stärkt und lebendig hält.
In 1. Korinther 12 erklärt Paulus dieses Bild: Der menschliche Körper besteht aus vielen Teilen, die nur gemeinsam funktionieren. So ist es auch mit der Gemeinde:
„Denn wir alle sind mit demselben Geist getauft worden und gehören dadurch zu dem einen Leib von Christus.“ (1. Korinther 12,13)
Doch wo viele Menschen aufeinandertreffen, gibt es auch Konflikte und Verletzungen. Kein Wunder also, dass manche sagen: „Jesus, ja! Aber Kirche? Nein, danke!“
Nachvollziehbar ist dieser Gedanke. Aber Jesus kann man nicht losgelöst von seinem Leib lieben. Jesus liebt seine Kirche. Er nennt sie seine Braut – und war bereit, sein Leben für sie zu geben. Gott kommt damit klar, dass es in Kirche menschelt. Er ruft uns bewusst in diese Gemeinschaft hinein, um ihr zu dienen und in und an ihr zu wachsen und zu reifen. Dieses biblische Bild von Kirche ist eine göttliche, übernatürliche Gemeinschaft, die nur möglich ist durch den Heiligen Geist, der in den Gläubigen lebt. Dadurch ist sie erst in der Lage, ihre göttliche Funktion in der Welt zu erfüllen, indem sie Menschen in eine Beziehung zu Gott führt und sie gleichzeitig in eine echte, kraftvolle Gemeinschaft miteinander stellt.
Gepflanzt in Kirche
Kirche ist kein Ort perfekter Menschen – und genau darin liegt die Kraft: Wir lernen zu vergeben, geduldig zu sein und Verantwortung zu übernehmen. Und wachsen dadurch in gelebter Liebe und Heiligung.
Und dafür braucht es dich!
Du profitierst von echter kirchlicher Gemeinschaft durch Beziehung. Je mehr du dich einbringst, öffnest und ehrlich wirst, desto tiefer wird das, was du empfängst.
Was hält mich also davon ab, tief in Gemeinschaft gepflanzt zu sein? Angst vor Ablehnung oder Bewertung anderer, schlechte Erfahrungen aus der Vergangenheit, Zeitmangel und Alltagsstress, unser Drang nach Unabhängigkeit und Misstrauen gegenüber Gruppenstrukturen können zu unserem Rückzug führen.
Vielleicht fragst du dich: „Was bringt mir das eigentlich, Teil von Kirche/Gemeinschaft zu werden?“ Eine ehrliche Frage – und eine, die viele bewegt. Und doch: Es ist eine Frage, die wir uns von der falschen Seite stellen.
Stell dir vor, du hast in deinem Garten verschiedene Blumen nebeneinander gepflanzt. Ziehst du eine Pflanze immer wieder aus der Erde, kann sie keine Wurzeln bilden – und bleibt vom Netzwerk der anderen abgeschnitten. Sie überlebt, aber wächst nie in ihre volle Bestimmung.
Im Wood Wide Web stärken und versorgen stärkere Pflanzen, die Schwächeren. Es geht nicht darum, dass der Stärkste gewinnt – sondern um das Gemeinsame bestehen.
Nur in Gemeinschaft können wir wachsen und reifen. Das war Gottes Idee von Kirche: Du brauchst mich und ich brauche dich!
„Nach seinem Willen soll unser Leib nämlich eine untrennbare Einheit sein, in der jeder einzelne Körperteil für den anderen da ist. Leidet ein Teil des Körpers, so leiden alle anderen mit, und wird ein Teil geehrt, freuen sich auch alle anderen.“ (1. Korinther 12,25-26)
Ohne geistliche Gemeinschaft vertrocknet unser Glaube
Also, lass nicht zu, dass schlechte Erfahrungen dazu führen, dass du dich herausziehst. In der Natur können wir sehen, dass wenn ein Baum vom Netzwerk abgeschnitten ist, er anfälliger ist für Krankheiten, langsamer wächst und manchmal sogar stirbt. Genauso ist es mit uns: Ohne geistliche Gemeinschaft vertrocknet unser Glaube. Selbst wenn wir noch leben – wir leben nicht mehr in der Fülle, die Gott für uns vorgesehen hat.
Paulus erklärt, dass wir Teil des Leibes Christi sind, ob wir wollen oder nicht:
„Selbst wenn der Fuß behaupten würde: »Ich gehöre nicht zum Leib, weil ich keine Hand bin!«, er bliebe trotzdem ein Teil des Körpers. Und wenn das Ohr erklären würde: »Ich bin kein Auge, darum gehöre ich nicht zum Leib!«, es gehörte dennoch dazu.“ (1.Korinther 12,15-16)
Es liegt nun also an uns, zu entscheiden, was für eine Art Familienmitglied wir sein wollen, das wir bereits sind.
Zur Gemeinschaft berufen
Diese Art von Gemeinschaft in Gottes Sinne funktioniert allerdings nur durch die Gemeinschaft eines jeden Einzelnen mit Gott. Wenn wir Jesus lieben, werden wir transformiert, Jesus immer ähnlicher. Plötzlich geht es nicht mehr darum: „Was habe ICH davon, Teil der Kirche/ Gemeinschaft zu sein?”
Wenn wir ihn lieben, wächst unser Verlangen danach, anderen zu dienen:
„Nachdem sie an diesem Morgen miteinander gegessen hatten, fragte Jesus Simon: »Simon, Sohn von Johannes, liebst du mich mehr als die anderen hier?« »Ja, Herr«, antwortete ihm Petrus, »du weißt, dass ich dich lieb habe.« »Dann sorge für meine Lämmer«, sagte Jesus.“ (Johannes 21,15)
Wir leben nicht mehr für uns selbst, sondern für ihn, und das zeigt sich im Dienst an anderen. Das Wood Wide Web erinnert uns daran: Gottes Handschrift ist überall sichtbar. Seine Schöpfung predigt wortlos: „Du bist für tiefe Gemeinschaft gemacht.“
Jesus war uns darin das größte Vorbild: Er gab sein Leben für uns.
In der Nachfolge Jesu sind wir daher berufen, in Gemeinschaft miteinander zu leben. Wir können das eine nicht vom anderen trennen. Und genau dahin verheißt Gott seinen Segen: Dort, wo „Brüder (und Schwestern) in Frieden zusammenleben!“ (Psalm 133,1). Dort, wo wir gemeinsam leben, vergeben, tragen und wachsen.
Vielleicht ist heute der Tag, an dem du sagst: Ich will mich pflanzen lassen.
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Johanna Braun ist Pastorin bei Equippers Flensburg und leitet dort den Kidsdienst. Ihr Herz schlägt für Arbeit mit der nächsten Generation und dafür, dass Kinder ein festes Fundament in Jesus Christus bekommen. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Flensburg.
Dieser Artikel stammt aus dem ERLEBT Magazin zum Thema „Die Kraft der Gemeinschaft“ (Ausgabe Nr. 50 – Dezember 2025)
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