Ein Interview mit Cornelia Mack, Diplom-Sozialpädagogin, Referentin, Autorin

Jeder kennt sie und hat sie schon erlebt: Angst. Doch was ist Angst eigentlich? Und was kann man dagegen tun? Cornelia Mack ist Diplom-Sozialpädagogin mit Schwerpunkt Psychiatrie. Sie hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und uns einige Fragen zu Angst und Angstbewältigung beantwortet.

Liebe Frau Mack: Warum haben Menschen Angst? Was ist Angst eigentlich?

Angst ist erst mal gut, denn sie warnt uns ja vor Gefahren oder macht uns aufmerksam darauf, wo Dinge nicht in Ordnung oder ungeklärt sind. Angst versetzt uns in Reaktionsbereitschaft, entweder wir reagieren darauf (Kampf) oder wir entfernen uns (Flucht).

Ab wann wird Angst zum Problem?

Wenn Kampf oder Flucht nicht möglich ist. Wenn ich gefangen bin von der Angst (z.B. durch ein Trauma) oder wenn ich beherrscht bin von ihr und sich in meinem Leben alles nur noch um die Angst dreht. Das mündet dann oft in einer „generalisierten Angststörung“.

Was mach ich, wenn ich Angst habe? Wie sollte ich mit Angst umgehen?

Der Angst in die Augen schauen. Sich den Themen der Angst stellen. Sich fragen: Woher kommt sie? Wodurch wird sie ausgelöst? Ist sie berechtigt? Hat sie das Recht, mich zu beherrschen und meine Entscheidungen zu leiten?

Gibt es einen Trick: Was kann ich tun, wenn die Angst kommt?

Das kommt auf die Angst an. Bei normalen  Alltagsängsten ist es das Beste, es trotz Angst dennoch zu tun. Die Angst darf nicht zum leitenden Motiv meines Lebens werden. Bei Phobien ist es hilfreich, sich zu desensibilisieren – ähnlich wie bei Allergien. Sich der Angst so weit nähern, wie ich sie aushalten kann und dann die Dosierung immer mehr steigern, bis mir das Ding oder die Situation nichts mehr ausmacht. Bei Panik-Attacken kann man ähnlich vorgehen. Aber noch weit wirksamer ist die sogenannte „Konfrontationstherapie“: In die Situation hineingehen, die Panik kommen lassen und die Erfahrung machen, dass man das überleben kann. Beim zweiten Mal ist es dann schon nicht mehr so schlimm und irgendwann grüßt uns das Thema nur noch „von Ferne“.

Wer kann helfen? Arzt? Psychologe? Seelsorger?

Es ist immer gut, sich Hilfe zu holen. Man sollte zu jemandem gehen, dem man vertraut. Wie kann ich Menschen in meinem Umfeld, die mit Ängsten kämpfen, am besten beistehen? Darüber reden und Begleitung anbieten, ohne die Menschen von sich abhängig zu machen.

In der Bibel steht: Vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. Haben Menschen mit Angst nicht genug Glauben?

Nein, das ist zu kurz gedacht. Was hinter dieser Aussage steht: Wenn mein Leben mehr und mehr durchdrungen wird von Gott und immer mehr Bereiche von ihm angerührt werden, dann muss ich mir immer weniger Angst machen. Trotzdem werden die normalen Alltagsängste wie Erschrecken vor lauten Geräuschen oder Zusammenstöße mit Menschen oder Gegenständen bleiben. Hoffentlich.

Wie kann Glaube mir gegen die Angst helfen?

Sehr. Glauben heißt ja vertrauen. Sich dem anvertrauen, der mein Leben auch in schweren und dunklen Situationen halten kann und will. Ich kann mich immer in der Angst an Gott wenden, mit ihm reden, auch vor ihm klagen und weinen, schreien.

Wie beeinflusst Angst meinen Glauben?

Wenn die Angst mich zu sehr beherrscht, kann sie mir das Vertrauen schwer machen. Dann kreisen meine Gedanken immer um mein Angst-Thema. Man könnte es auch so sagen: Dann sitzt die Angst auf dem Thron meines Lebens und nicht mehr Christus.

Ist jede Angst nicht letztlich die Angst vor dem Tod?

Ja, das stimmt. Wenn ich meine Ängste zu Ende denken, dann lande ich ganz oft bei der Angst vor dem Tod. Darum ist auch
meine Einstellung zum Tod ein Schlüssel in der Bewältigung von Angst. Wenn ich weiß, wo ich nach dem Tod sein werde, wenn ich weiß, dass ich vor dem, was nach dem Tod kommt, keine Angst zu haben brauche, dann habe ich eine Waffe gegen die Angst. Christus ist der Sieger, der den Tod überwunden hat und der auferstanden ist. Das bedeutet: egal was kommt, ich bin letztlich in der Hand von Christus. Und wenn es zum Tod kommt, dann bin ich immer noch in seiner Hand und werde dem, dem ich vertraue und den ich liebe, entgegen gehen. Also was kann mich dann noch schrecken? Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes weder Tod noch Leben. So schreibt es Paulus im Römerbrief. Natürlich müssen wir diese Gedanken dann in kleine Münze umsetzen und sie greifbar machen für unseren Alltag. Aber genau da hilft es dann sich – wenn die Angst kommt – zu fragen: Wovor habe ich jetzt Angst? Was könnte schlimmstenfalls passieren? Und was wäre dann? Und wäre ich dann immer noch in Gottes Hand? Und stimmt es, dass ich ihm gehöre? So wird die Angst zu einer positiven Herausforderung uns fragen zu lassen: Wem gehöre ich?

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Buchtipp: Cornelia Mack „Angst verstehen, entmachten, verwandeln“ Verlag: SCM ISBN:978-3-7751-5658-5

 

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